Von Sabrina Nebauer – Passauer Neuen Presse
Er freut sich riesig auf das erste Baby - und die Österreicher haben ihm verziehen: Mit frenetischem Jubel ist Gewichtheber-Olympiasieger Matthias Steiner am Wochenende beim internationalen Nachwuchsturnier in Braunau von den Fans begrüßt worden. Für Steiner, der nach Differenzen mit Österreichs Gewichtheberverband nicht mehr für die Alpenrepublik, sondern für Deutschland auf Medaillenjagd geht, war es der erste Auftritt in der alten Heimat nach fast vier Jahren. Die PNP unterhielt sich nach dem erfolgreichen Wettkampf-Comeback mit dem deutschen „Sportler des Jahres“, der mit seiner Freundin, N24-Moderatorin Inge Posmyk, im Frühjahr das erste Kind erwartet.
Herr Steiner, haben Sie mit dem herzlichen Empfang in der alten Heimat gerechnet?
Ich war schon etwas aufgeregt, aber das Schöne an Österreich ist, dass hier schnell verziehen wird, das ist toll. Man könnte genauso gut böse auf mich sein, dass ich nach Deutschland gewechselt bin. Aber die Leute verstehen inzwischen, warum ich gegangen bin. Der Schritt war richtig, aber es ist auch schön, wieder hier zu sein - vor allem auch wegen des leckeren Essens, das vermisse ich mit am meisten an Österreich.
Hat Sie das Glücksgefühl, bald Vater zu werden, heute im Wettkampf zusätzlich motiviert?
Privat glücklich zu sein, ist bestimmt kein sportlicher Nachteil - im Gegenteil, natürlich spornt das zusätzlich an. Ich bin ein Familienmensch und jetzt einfach unbeschreiblich glücklich.
Wissen Sie schon, ob es ein Mädchen oder ein Bub wird? Und wann folgt die Hochzeit?
Das Wichtigste ist, dass unser Kind gesund zur Welt kommt. Was es wird, wissen wir selber noch nicht. Einen Hochzeitstermin gibt es nicht, aber für uns war genauso früh wie der Kinderwunsch auch der Heiratswunsch da. Mehr möchte ich dazu aber nicht sagen.
Bundestrainer Frank Mantek war heute zufrieden mit Ihnen - wie beurteilen Sie selber Ihre Leistung?
Ich bin sehr zufrieden. Ich war in der letzten Trainingswoche nicht ganz fit, deshalb war ich heute überrascht, dass es so gut lief. Es war geplant, 190 kg zu reißen und 235 kg zu stoßen - diese Vorgaben habe ich erfüllt, auch wenn ich selber immer noch etwas mehr von mir erwarte. Wichtig für den Kopf war, dass ich sechs gültige Versuche hatte. Ich liege also absolut im Zeitplan für die WM.
Wie haben Sie die drei Monate Zwangspause nach Ihrer Leistenoperation empfunden? Sie haben gesagt, Sie konnten nicht einmal einen Koffer tragen.
Für die WM-Vorbereitung war das sicherlich nicht optimal, weil drei Monate im Gewichtssport eine lange Zeit ist. Auf der anderen Seite hat diese Pause auch einen gewaltigen Motivationsschub in mir ausgelöst, weil ich gemerkt habe, nichts zu machen - das geht nicht. Aber dieses Dreivierteljahr mehr oder weniger ohne Training und Wettkampf, das war schon grenzwertig und wird so auch nicht mehr vorkommen, weil es dem Körper nicht gut tut.
Ihnen soll beim Stoßen schwarz vor Augen geworden sein...
Mir wurde bei allen drei Stoß-Versuchen nach dem Umsetzen schwarz vor Augen. Vielleicht habe ich heute zu wenig getrunken oder zuviel Kaffee konsumiert. Mir blieb einfach ein wenig die Luft weg, das ist nicht tragisch, dieses Schwindelgefühl kennt jeder.
Olympia 2012 in London ist Ihr erklärtes Ziel. Welchen Stellenwert hat da die WM in Südkorea im November für Sie?
Einen sehr hohen. Der Druck ist unheimlich groß - von außen, aber noch mehr von mir selber. Ich erwarte, dass ich das, was ich in Peking gezeigt habe, wiederhole. Natürlich hängt es auch von den Gegnern ab - es ist längst nicht fix, dass man mit 461 Kilo automatisch Weltmeister wird, aber ich bin auf einem guten Weg.
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